Kritik am reichen Deutschland

Wahlkampf Groll Förster

Augsburg, 21.09.2013. In Deutschland brummt die Wirtschaft. So mancher spricht von Vollbeschäftigung und kontinuierlichem und stetigem Wachstum. "Um endlich das Wachstum in ganz Europa anzukurbeln, braucht Frankreich Reformen, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken", sagte so auch folgerichtig der FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle im Mai der Rheinischen Post. So als könne der Markt und der Wettbewerb alles richten. Die Auftragsbücher der Wirtschaft sind voll und der Reichtum in Deutschland wächst, aber und auch das ist Realität in diesem so glücklichen Land – auch die Armut steigt.

Die Vereinten Nationen haben Deutschland scharf kritisiert und seine Gesellschaftspolitik massiv angeprangert. Im Jahr 2011 habe jedes vierte Schulkind in Deutschland morgens ohne Frühstück zur Schule das Haus verlassen. Es fehle am angemessenen Lebensstandard von Hartz IV Empfängern. Menschen gelten nach der Definition der Europäischen Union als relativ arm, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben. Armut bedeutet nicht nur finanzielle Armut. Es bedeutet häufig auch ausgeschlossen zu sein vom gesellschaftlichen Leben. Wer arm ist hat höhere Gesundheitsrisiken und geringe soziale Anerkennung. Besonders Kinder leiden unter den Auswirkungen. Die Gräben in Deutschland sind tief, zwischen Reich und Arm, zwischen Ost und West und zwischen den Städten wie Köln oder Duisburg und den Städten in Süddeutschland wie Stuttgart oder München in denen deutlich weniger Menschen von Armut bedroht sind.

Wie kann es sein, dass bei derart geringen Arbeitslosenquoten in vielen deutschen Bundesländern trotzdem ein hoher Prozentsatz Menschen arm sind oder von Armut bedroht werden. Laut Frankfurter Allgemeine gelten hierzulande 7,7 Prozent der Erwerbstätigen als relativ arm. „Arm trotz Arbeit“ ist damit nicht nur reißerischer Slogan oder Gejammer von Sozialverbänden und Gewerkschaften, sondern traurige Tatsache. Als Risikofaktoren werden prekäre Arbeitsverhältnisse, Zeitarbeits- und Werkverträge, Minijobs, Niedriglohnarbeitsplätze und die sogenannte „Generation Praktikum“ genannt. Die Subventionierung der Unternehmen durch das politische Zugeständnis von „wettbewerbsfähigem“ Billiglohn muss endlich abgestellt werden. Gerechte Löhne, Mindestlohn, gute und menschenwürdige Arbeit, all das ist alternativlos und eine Mindestanforderung für richtige politische Steuerung und ein Kriterium für den Kandidaten-Check der Wahlentscheidung.

Erna Groll, Augsburg
KAB Bundesvorstand