Wir schulden den Griechen noch etwas!

Hannes Kreller KAB

Der Bundestagswahlkampf senkt sich in die tiefen Ebenen der Symbolik. Der satirische Stinkefinger von Peer Steinbrück oder die schwarz-rot-goldene Halskette von Angela Merkel bewegen Menschen und Medien. Mehr nicht?

Wie war das noch mit der Bankenkrise und der Überschuldung einiger europäischer Länder? Hat Finanzminister Schäuble sich im August zu stark aus der Deckung gewagt, als er ankündigte, dass ein neues Hilfspaket für Griechenland ansteht? Da war er zu offen und ehrlich! Das riecht nach teilweiser Entschuldung. Deshalb wurde schnell der „Zuchtmeister“ für Griechenland hervorgeholt.  „Zuerst müsse Griechenland alle Verpflichtungen erfüllen.“

Ein Blick auf unsere Deutsche Geschichte könnte uns dazu nachdenklich stimmen. Auch Deutschland musste schon einmal international entschuldet werden. Im Jahr 1953 kam das Abkommen in London zustanden. Zahlreiche Länder verzichteten auf ihre Forderungen, darunter auch Griechenland. Nach Berichten der „Zeit“ vielen die Entscheidungen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. 27,3 Milliarden Schulden hatten sich in Deutschland angesammelt aus Vorkriegsschulden und Verbindlichkeiten aus der amerikanischen Marshallplan-Hilfe und staatlichen Nahrungsmittelhilfen. Die Not war groß. Armut und Arbeitslosigkeit prägte das Leben der Menschen. Ausländische Firmen forderten bei Importen nach Deutschland Vorkasse. Investitionen aus dem Ausland waren fast ausgeschlossen. Deutsche Unternehmen konnten an eine Kapitalmarktfinanzierung im Ausland vergessen.

In dem Londoner Abkommen wurde etwa die Hälfte der Schulden erlassen. Für die Gläubigerstaaten und Deutschland entstand draus eine Win-win-Situation.  Die internationale Kreditwürdigkeit Deutschlands stieg, die Zinsen sanken für Deutschland und konnten gezahlt werden. Eine zunehmende wirtschaftliche Entwicklung wurde eingeleitet. Vieles erinnert an die aktuelle Problematik in Griechenland.

Bei der Bundestagswahl wird auch über die zukünftige gemeinsame Entwicklung in Europa entschieden. Geht es ausschließlich um Strukturveränderungen und staatliche Einsparungen mit der Folge zunehmender Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für Jugendliche oder auch um Investitionen und Innovationen zur Stärkung der eigenen Kräfte in Griechenland. Durch eine teilweise Entschuldung könnte eine Win-Win-Situation für Griechenland und Europa entstehen. Die Geschichte zeigt, es ist möglich. 

Hannes Kreller
Leiter des Referats Verbandsentwicklung
der KAB Deutschlands

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