Gute Laune zum schlechten Spiel
5 Jahre nach der Lehman-Pleite

Rabbe reisst die steuer rum KAB
Köln, 27. August 2013  Gut Griechenland braucht wieder Geld. Falsch! Die Banken, die Griechenland wider besseren Wissens Geld geliehen haben, brauchen das Geld. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat mit einer lancierten Äußerungen die Bevölkerung in Deutschland schon mal darauf eingestimmt, dass bald wieder Geld nach Griechenland überwiesen werden muss. Dass es bei den Banken und nicht bei den Griechen ankommt, hat er verschwiegen. Die Griechen verarmen weiter.

Genau fünf Jahre nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, die nicht nur die Finanzwelt erschütterte, sondern auch die Wirtschaft und in deren Folge Millionen Menschen ihre Arbeit verloren, lebt die Finanzwelt weiterhin wie die Katze auf dem heißen Blechdach. Daran können auch die Beruhigungspillen vom Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V., Dr Michael Hüther, nichts ändern. "Die internationalen Finanzmärkte sind heute weitaus besser gegen Krisen gewappnet als noch vor fünf Jahren beim Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers", meint das IW in einer Studie. Die Beschreibung "weitaus besser" belegt, dass hier das der Wirtschaft und der Finanzwirtschaft nahestehende Kölner Institut gute Laune zum schlechten Spiel verbreiten will. Daran ändert auch die Richtlinie zum Eigenkapital der Banken nichts.

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite stehen immer noch die europäischen Bad-Banks mit mehr als einer Billion Euro auf mehr als zweifelhaften Krediten. Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite verhindern Schrott-Papiere und faule Kredite, ausgestellt von skrupellose Bankern, erlaubt von einer unfähigen Politik und angespornt durch raffgierige Anteilseigner, dass dieses Geld der Realwirtschaft und vor allem dem Ausbau des Straßennetzes, der Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen bereitgestellt wird. Stattdessen stehen immer mehr Städte, Gemeinden und Kommunen vor dem Bankrott, weil sie die Lasten nicht mehr schultern können und müssen selbst immer neue Kredite von den Banken aufnehmen.

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite bedroht der hochgiftige Geld-Müllberg, der durch die Spekulationen entstanden ist, wie ein Pulverfass die Konjunktur aller europäischen Länder und die Steuerzahler. Größter deutscher Finanzfriedhof ist die Münchener Hypo Real Estate.
Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite finanziert die schwarz-gelbe Bundesregierung unseren Staatshaushalt und das staatliche Schuldenpaket nicht über soziale gerechte Steuern und Einnahmen, sondern über niedrige Zinsen, die ihnen Finanzinstitute zur Verfügung stellen. Das Geld kommt vom Otto-Normalbürger, der weiterhin hohe Zinsen zahlen und als solider Sparer Verluste hinnehmen muss, weil die Banken die schlecht verzinsten Sparbucheinlagen an Herrn Schäuble weitergeben. Die Sparer zahlen somit die Zeche für die früheren Partyexzesse der Banker. Das billige Geld dagegen verleitet wieder zu neuen Exzessen und Finanzblasen: fünf Jahre nach der Lehman-Pleite.

Matthias Rabbe
Rdaktion Impuls

Veggie-Day - Empörung der Bürger(-King)-Gesellschaft

Köln, 20.08.2013. Das ist schon ein starkes Stück! Mitten in die Grill-Saison platzen die Grünen in das Sommerloch und schlagen einen vegetarischen Pflichttag vor, den Donnerstag. Warum nicht den Freitag, dem Einstieg ins Wochenende. Schließlich ist allgemein bekannt, dass gerade Grünen-Chef Jürgen Trittin ein echter Grillmeister ist. Die Bevormundung des Speiseplans der Bürger nutzten die anderen Parteien für lautstarke Empörung, obwohl mehr als die Hälfte der Deutschen dies befürwortet. Lediglich FDP-Wähler sehen die Fleischfreiheit  der Bürger gefährdet. 87 Prozent lehnten einen Veggie-Day ab. Dabei ist für viele Katholiken der Freitag schon immer, zwar kein vegetarischer Tag, aber ein fleischloser Tag, wenn man mal von Fisch absieht.

Warum einen Vegetarier-Tag? Reicht es nicht, sich auf die vorhandenen katholischen Traditionen zu besinnen. Klar, dass passt nicht in den Wahlkampf. Vegetarische Restaurants, vegane Gerichte schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden: sind "in". Besonders junge Menschen setzen sich mit den Folgen unserer fleisch(fr)essenden, tierquälerischen und umweltzerstörenden Nahrungsmittelproduktion auseinander. Pro Kilogramm Rindfleisch (ungegrillt) gehen über 13 Kilo CO2-Äquivalente in die Atmosphäre, bei Gemüse und Kartoffeln sind es maximal 199 Gramm. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischproduktion nicht eingerechnet.

Katholische Traditionen des fleischlosen Freitags, die mit Hilfe des Heiligen Geists aus der Not eine Tugend machten, haben es da bedeutend schwerer im Wahlkampf und in einer Burger-King-Gesellschaft wahrgenommen zu werden.
Längst sind die Folgen des zunehmenden Fleischkonsums und des überzuckernden Essens auch bei den Krankenkassen, im Sportunterricht und bei den Unternehmensgewinnen zu spüren. Doch ein vegetarischer Pflichttag wird diese Nahrungsmittelindustrie, die von billigen Arbeitskräften, billigen Preisen, verbilligten Energien, intensiven Anbau- und Produktionsmethoden und einer Überproduktion sowie einer überall präsenten Werbeindustrie wächst und gedeiht, nur schwerlich stoppen können.

Eine Veggie-Day könnte dennoch ein notwendiges Halte-Schild sein, wie es der fleischlose Freitag einmal war. Der freitägliche Fleischverzicht war für die Katholiken in aller Welt ein konfessionelles Erkennungszeichen und damit zu einem sichtbaren Bekenntnis geworden. Ein Tag der Besinnung und Buße für das, was der Mensch dem Menschen, der Kreatur und der Natur antut. Vielleicht sollte Papst Franziskus sich angesichts der Auswirkungen der globalen Fleischproduktion an diese freitägliche Tradition erinnern und den Bruch Papst Paul VI mit dieser alten katholischen Tradition noch einmal überdenken. Reformen kann nicht nur die Kirche auch die Gesellschaft vertragen. Denn das Schlimmste sind Burger aus der Petri-Schale, wie sie jüngst holländische Wissenschaftler präsentierten.

Matthias Rabbe
Redakteur KAB impuls

Keine Linie - schlechter Kurs

Köln, 15.08.2013. Kaffee regt den Geist an. Koffein macht wach. In der Bundesregierung und speziell beim Chef des Ministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit scheint der Kaffegenuss keine Geist anregende Wirkung zu zeigen. Der FDP-Politiker Dirk Niebel, der derzeit landauf, landab im Wahlkampf mit dem Slogan hausieren geht "Klare Linie, klarer Kurs", belegt einmal mehr, welchen sozial- und entwicklungspolitischen Kurs Schwarz-Gelb in der Regierungsarbeit fährt: Die Stützung der deutschen Wirtschaft auf Kosten von Kaffee anbauenden Kleinbauern in Uganda.

Nachdem die Menschenrechtsorganisation FIAN gegen die brutale Vertreibung von 4000 Menschen von ihrem Landparzellen zugunsten der Investition der Hamburger Neumann-Kaffee-Gruppe (NKG) für die erste Groß-Kaffee-Plantage in Uganda protestiert hat und die Öffentlichkeit informierte, wollte der FDP-Politiker in einem Brief der Menschenrechtsorganisation den Mund verbieten. Die Kaweri Coffee Plantation, ein Tochterunternehmen des deutschen Weltmarktführers bei Rohkaffee-Dienstleistungen NKG sei, "die größte Investition in Uganda und hat das Wohlwollen der Bundesregierung" ließ der FDP-Minister verkünden. Die Aufklärungsarbeit über deutsche Investitionen sei gar "unangemessen und unberechtigt". Klare Linie - klarer Kurs.

Dieser klare Kurs gegen die brutale Vertreibung von Kleinbauern durch Bulldozer klingt nicht nur für viele KAB-Gruppen und -Mitglieder, die sich seit Jahren in Uganda mit ihren Partnerbewegungen vor Ort für soziale Gerechtigkeit engagieren und für fair gehandelten Kaffee auch aus Uganda sich in Deutschland stark machen, wie ein Hohn. Die Frauen und Männer in der KAB Deutschlands haben dagegen eine klare Botschaft für Berlin: "Reisst die Steuer rum!" Eine klare Linie und ein fairer Kurs des FDP-Ministers ist hier gefragt, zumal sich der FDP-Politiker nach eigenen Angaben den Sachverhalt um die Vertreibung der Bauern "vertiefend" geprüft hatte. Schließlich geht es hier nicht um einen auf dem Basar gekauften Teppich, der am Zoll vorbei geleitet wurde. Der FDP-Politiker Niebel ist ein Beispiel dafür, wie eine Regierung ohne Vision, ohne klarer Linie, ohne klaren Kurs die Zeichen der Zeit verschläft ohne die ihr übertragene Regierungsverantwortung zu übernehmen. Wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern Afrikas und Asien ist eben nicht mit einem wirtschaftsliberalen Wahlprogramm der FDP zu schaffen.

Dies hat das Oberste Gericht in Kampala längst erkannt: ohne Kaffee aber mit wachem Geist . Es hat die Eigentumsrechte der Kleinbauern intensiver untersucht als das Niebel-Ministerium; mit dem Ergebnis: Das High Court in Kampala sprach den Kaffeebauern Schadenersatz zu und verurteilte die NKG-Tochter Kaweri zur Zahlung von umgerechnet elf Millionen Euro an die Kleinbauern.
Vielleicht hat der FDP-Politiker in seinem Brief an die Menschenrechtsorganisation FIAN die klare Linie mit einem Schlussstrich unter seine peinliche Amtszeit verwechselt. Die endet hoffentlich im Herbst. Dann kann der ehemalige Arbeitsamtsmitarbeiter Niebel in Ruhe Kaffee trinken. Fair gehandelt natürlich!

Matthias Rabbe
Redakteur KAB-Impuls

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